Schürfen für die Krise?!

Nicht nur bei der Gewinnung von Gold und Bitcoin gibt es signifikante begriffliche Parallelen – beide werden „geschürft“ bzw. „gemint“ -, sondern zunehmend auch hinsichtlich ihrer Funktion und ihres Stellenwertes auf dem Finanzmarkt. Die Kryptowährung Bitcoin wird von vielen vermehrt als echte oder vielleicht sogar als bessere Alternative zur Krisenwährung Gold angesehen. Woher kommt diese Ansicht und ist sie wirklich begründet?

Der Goldstandard

In Krisenzeiten, das heißt in Zeiten, in denen mit großen Schwankungen und Unsicherheiten auf dem Geld- und Währungsmarkt zu rechnen ist oder es solche tatsächlich gibt, haben sich bisher Edelmetalle – und hier insbesondere das Gold – als „krisenfest“ bewährt. In der Menschheitsgeschichte spielt Gold schon seit Jahrtausenden als Währung eine bedeutende und tragende Rolle, noch lange bevor die heutigen hochkomplexen Währungssysteme oder auch nur die Idee des Geldes geboren waren. Gold wurde und wird bis heute dabei immer in Relation zu anderen wichtigen Gütern gesetzt – so konnte ein sogenannter „Goldstandard“ etabliert werden. Gegenwärtige Geldsysteme haben sich aber schon seit längerem vom Goldstandard abgekoppelt, da die herausgegebene Geldmenge und die Höhe der Verschuldung davon beschränkt werden. Die auf der Welt verfügbare Goldmenge reicht zu den aktuellen Kursen nicht einmal mehr ansatzweise als Wertdeckung einer Weltwährung aus. Dieses Faktum wird vor allem in Krisenzeiten offenbar und spürbar, weshalb Gold bis heute als Krisenwährung angesehen wird.

Ist Bitcoin das neue Gold?

Die jüngsten Gelddruckorgien der Zentralbanken angesichts der Corona-Pandemie und die damit enorm angestiegenen Staatsverschuldungen lassen bei vielen Menschen die Sorge aufkommen, dass dies zu einer deutlichen Entwertung in den Geldsystemen führen könnte. Und in Ländern, in denen das bestehende Währungssystem jetzt schon sehr instabil ist, kann vor allem unter jüngeren, aber auch unter erfahrenen Anlegern zunehmend festgestellt werden, dass der Bitcoin als echte Alternative zu Gold gehandelt wird. Wie kommt das? Seit dem März 2020, als der Bitcoin ein Tief bei ca. 5000 Dollar markierte, hat sich sein Wert inmitten einer weltweiten Krisenzeit bis heute vervielfacht. Am Finanzmarkt ist seither nicht nur die Akzeptanz für den Bitcoin deutlich gestiegen, sondern vor allem auch das Investment darin seitens großer Unternehmen und Banken.

Der Bitcoin ist als Kryptowährung dezentral und für alle Beteiligten nachvollziehbar gestaltet. Vor allem gibt es eine vom System von vornherein vorher festgesetzte Menge – es handelt sich also um ein Gut, das sich nicht beliebig vermehren lässt. Für den Bitcoin und das Gold ergeben sich also mehrere Parallelen: Für beide gibt es (mittlerweile) eine weltweite Akzeptanz und eine gute Marktdurchdringung, beide Währungen sind in ihrer Menge limitiert, wodurch ihnen Inflationsschutzeffekte beigemessen werden. Zu bedenken ist auch, dass die Bemühungen vieler Staaten in Zukunft sich vermehrt in Richtung bargeldloser Gesellschaft richten werden, sodass angesichts dessen ein auf Kryptographie basierendes Währungssystem als echte digitale Alternative zur bisherigen „Krisenwährung“ Gold nicht mehr an den Haaren herbeigezogen erscheint.

Ob sich der Bitcoin langfristig aber tatsächlich als eine Art digitaler Goldstandard etablieren kann, bleibt dennoch fraglich, denn Kryptowährungen haben im Vergleich zu den physisch begrenzten Edelmetallen einen entscheidenden Nachteil: Zwar lassen sich ihre Einheiten innerhalb des jeweiligen Systems nicht beliebig vermehren, aber es lassen sich die Systeme selbst – sprich die Kryptowährungen – beliebig oft neu programmieren.